Beide Teams unten erleben in Echtzeit exakt dieselben
Störungen — Krankheit, Rückfragen, Änderungswünsche. Das linke System hat
74 % seiner Kapazität verplant, das rechte 50 %. Schau zu, was der
Puffer mit der Erschöpfung macht.
Live-Simulation · gepaarte Störungen
74 % verplant50 % + Puffer
Vereinfachte Veranschaulichung der Modellmechanik.
Die Zahlen der Studie stammen aus der vollständigen Simulation
(20 Personen × 10 Jahre × 20 gepaarte Läufe).
02 Das Experiment
Zwei Betriebe. Ein einziger Unterschied.
Gleiche Belegschaft, gleicher Markt, gleiche Kosten, gleiche
Krankheitstage. Kalibriert an den Zeitbuchungsdaten von 403 realen
Professional-Services-Firmen. Der einzige Unterschied ist die Betriebslogik.
Konventionell
74 %
der Anwesenheit fakturierbar verplant — der Branchenstandard,
an dem alle Benchmarks hängen.
Gepuffert
50 %
verplant — die andere Hälfte ist expliziter Puffer für
Prüfung, Störung und Ausfall.
03 Die Ergebnisse
Der Puffer kostet keine Marge.
Er finanziert sich aus dem, was er verhindert: Reparatur
gelieferter Arbeit, gerissene Termine, Fluktuationslücken.
Margekonservative Preisannahme
19,0 %
20,6 % +1,6 Pkt
Termintreue% termingerecht geliefert
68,1 %
75,9 % +7,8 Pkt
NacharbeitReparaturstunden, 10 Jahre
1.897 h
652 h −66 %
ErschöpfungsspitzeSkala 0–1
0,99
0,14 −86 %
Abgangsrate schwankender Kapazität% pro Jahr
9,3 %
6,3 % −32 %
konventionell (74 %)gepuffert (50 %)
Jede Kennzahl auf ihren eigenen
Höchstwert skaliert. Statistische Absicherung: 40 gepaarte Läufe,
Marge t = 7,92, Schutz t = 5,23 — Details im Paper.
04 Der unbequeme Befund
Die Branchen-Benchmark wird durch Ausschluss erreicht.
15 % der simulierten Belegschaft starten mit tagesabhängig
schwankender Leistungsfähigkeit — Neurodivergenz, chronische Erkrankung — bei
gleichem Erwartungswert der Leistung. Im konventionellen Betrieb
sind nach zehn Jahren noch 6 % übrig. Niemand kündigt gezielt:
Dauerlast trifft Menschen mit Schwankung härter, also gehen sie. Der gepufferte
Betrieb hält alle — und liefert trotzdem die bessere Termintreue.
»Der Vorteil des gepufferten Betriebs ist nicht die
bessere Termintreue. Es ist, dass er sie erreicht, ohne Menschen
auszusortieren.«
05 Das Kontrafaktum
Was kostet Aussortieren?
0 €
entgangener Gewinn über zehn Jahre, wenn derselbe
Betrieb die drei »schwankenden« Köpfe nicht hält — bei identischer Marge von
20,6 %.
Grenzbeitrag je schwankendem Kopf237.713 €
Grenzbeitrag je typischem Kopf261.840 €
Verhältnis — als Boden gerechnet, nicht als Hoffnung91 %
Deshalb ist Neurodiversität hier kein HR-Thema, sondern ein
Designfaktor: Der Puffer kauft nicht primär Gewinn — er kauft
Unabhängigkeit von den Eigenschaften der Menschen.
06 Ehrlichkeit
Was die Studie nicht behauptet.
aKein Auslastungs-Optimum.
Die 75-%-Faustregel der Branche ist empirisch nicht belegt — sie wird deshalb
gar nicht erst ins Modell eingebaut.
bZwei Hälften, zwei Belegtiefen.
Der Margen-Vorteil überlebt jede geprüfte Parametervariation. Der
Gesundheitsvorteil hängt an publizierten, aber schwächer belegten Effekten.
cDokumentierte Selbstwiderlegung.
Die Studie protokolliert ihre eigenen Fehler — auch die, deren Korrektur
zeitweise gegen die eigene These arbeitete.
Eine Simulation ist ein Argument, kein Beweis. Aber eines, das
man angreifen kann: Jede Zahl zeigt auf eine Quelle. Alle Grenzen stehen in
Abschnitt 8 des Papers.
07 Über den Autor
DB
David Bechstein
berät Teams und Unternehmen zu adaptiver Arbeitsgestaltung: Kapazität,
Neurodivergenz und Arbeitsrealität. Er diagnostiziert Arbeits- und
Liefersysteme und entwirft Arbeitsdesigns, die stabil liefern — auch unter
Last. Diese Simulation ist Teil dieser Arbeit: der Versuch, die Designfragen
nicht nur zu behaupten, sondern zu messen.