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ACOS-Serie · Teil 1 ·

Die 50-Prozent-Regel: Warum wir nur die Hälfte verplanen

100 % Auslastung fühlt sich nach Effizienz an. Tatsächlich ist sie der Zustand, in dem ein System aufhört, handlungsfähig zu sein — ein Krankenhaus mit 100 % Bettenauslastung ist nicht effizient, es kann nur keinen Notfall mehr aufnehmen.

Der Rework-Multiplikator

Jeder kennt die Rechnung: In zwei Stunden entsteht wochenlange Nacharbeit, weil keine dreißig Minuten für einen Quality Check da waren. Bei voller Auslastung fehlt der Raum, einen Schritt sorgfältig abzuschließen — die Arbeit wird schnell, fehlerhaft, und muss später unter noch größerem Druck noch einmal gemacht werden. Dazu kommt das Firefighting: Ein kleines ungeplantes Problem trifft auf ein volles System, das ganze Team unterbricht die geplante Arbeit, und bezahlt wird doppelt — für den Notfall und für die zerstörte Konzentration.

Die Regel

ACOS plant die interne Auslastung deshalb niemals über 50 %. Das Bild dazu heißt 6 = 3: Ein Team von sechs Personen liefert stabil die Arbeit von drei Vollzeitstellen. Die andere Hälfte ist kein Leerlauf — sie ist der Puffer, aus dem vier Dinge bezahlt werden, die in vollen Systemen immer zuerst geopfert werden:

Kostet das nicht ein Vermögen?

Das war die Frage, die ich nicht mit einem Bauchgefühl beantworten wollte. Also habe ich sie gemessen: In einer Simulation, kalibriert an den Daten von 403 realen Firmen, tritt ein 50-%-Betrieb über zehn Jahre gegen einen branchenüblich verplanten Betrieb an — gleicher Markt, gleiche Menschen, gleiche Kosten. Das Ergebnis: mindestens gleiche Marge, zwei Drittel weniger Nacharbeit, bessere Termintreue, ein Bruchteil der Erschöpfung. Der Puffer finanziert sich aus dem, was er verhindert.

Und die ehrliche Grenze gehört dazu: Der Puffer ist endlich. Wer ihn im Alltag laufend gegen Rückstand verbraucht, verliert genau die Ausfallsicherheit, für die er gebaut ist. Deshalb ist die 50-Prozent-Regel keine Zahl zum Dranglauben — sondern eine Regel mit Messgrößen dahinter.

Aus der ACOS-Serie. Grundlage: das ACOS-Handbuch (noch unveröffentlicht, erscheint in Kürze) und das Buchmanuskript »Die Neurocompatible Company«. Die Zahlen stammen aus der Simulationsstudie »Der 50-Prozent-Betrieb«.
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